El Salvador erhält erstmals einen linken Präsidenten

Mauricio Funes entreißt der Rechten die Macht an der Urne
15 Jahre und vier Wahlgänge hat es gedauert, bis die FMLN endlich die politische Wende geschafft hat und 20 Jahre Herrschaft der rechtsgerichteten ARENA beendet hat. Damit endet auch die lange Phase des Bürgerkriegs und seiner Auswirkungen. Die FMLN verdankt den Sieg dem äußerst populären Journalisten Mauricio Funes, der seit Bekanntgabe seiner Kandidatur den Wahlkampf dominiert hat. Erst nach den Parlamentswahlen im Jänner wurde sein Vorsprung auf den nunmehrigen Wahlverlierer Ávila kleiner. Das Wahlergebnis zeugt von der großen politischen Polarisierung im Land (51,2 gegen 48,7). Außenpolitisch bedeutet der Sieg der Linken, dass immer mehr linke und sozialdemokratische Parteien in Lateinamerika an der Macht sind.

Der Wahlkampf war besonders in der Endphase von einer Diffamierungskampagne der Rechten geprägt gewesen, die mit all ihrer Medienmacht Funes immer wieder in die Nähe des venezolanischen Präsidenten Chávez rückte, weil für viele Rechte El Salvador noch immer „als das Grab der Roten“ gilt (so die Parteihymne der ARENA). Die FMLN ihrerseits sprach immer wieder von Wahlmanipulation, weil das Oberste Wahlgericht (TSE) von den Rechten dominiert wird. Die 5000 internationalen Beobachter konnten allerdings dann doch keine größeren Ungereimtheiten feststellen. Anders als der Wahlkampf, bei dem es wieder zu Gewalt kam, verliefen die Wahlen geordnet.
Funes ist der erste FMLN-Kandidat ohne Guerillavergangenheit, was ihn befähigte eine Öffnung in Richtung Mitte vorzunehmen und Ängste und Vorurteile abzubauen. Das zwang den rechten Gegenkandidaten auch zu sozialen Versprechen, die offensichtlich nach 20 Jahre ARENA-Herrschaft als nicht sehr glaubwürdig galten.

>> Video: Siegesfeier


 

So groß die Freude über den historischen Wahlsieg ist, so schwierig sind die Herausforderungen. Das Land ist zerrissen, von Gewalt und Banden geprägt, von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelt und auf die Geldüberweisungen aus dem Ausland angewiesen, die rückläufig sind. Zudem sieht sich Funes einer rechten Mehrheit im Parlament gegenüber. In seiner Siegesrede brachte Funes auch zum Ausdruck, dass er Präsident aller Salvadorianer sein wolle. Bewusst versteht sich Funes als „Präsident des Friedens und des Wiederaufbaus“. Er sprach sich auch für die Integration Zentralamerikas aus und hofft auf gute Beziehungen zur Regierung Obama, obwohl jüngst 46 rechte Kongreßmitglieder gegenüber Hillary Clinton von einer Gefahr für die „nationalen Sicherheitsinteressen“ der USA sprachen. Funes berief sich ausdrücklich auf dem vor 29 Jahren ermordeten Erzbischof Romero mit seiner „Option für die Armen“.
Ávila tat sich schwer, die Niederlage einzugestehen und kündigte umgehend eine harte Oppositionspolitik an.
Die Amtsübergabe erfolgt am 1. Juni.
Rotz der Herausforderung feierte die FMLN im ganzen Land den historischen Sieg. Als erster Gratulant meldete sich Venezuelas Präsident Chávez.

Quellen: diverse Zeitungen

Aktualisiert: 1.6.2009