Widerstand gegen Kraftwerksbau El Chaparral

Der Bau des Kraftwerks El Chaparral am Torola-Fluss im Norden El Salvadors ist zu einem weiteren Symbol der Auseinandersetzung zwischen Unwelt und Entwicklung, reich und arm oder Machtlosen gegen Mächtige geworden. Lokale Gemeinden, die ihre Dörfer nach Fertigstellung und Fluten des Dammes räumen müssen, versuchen noch immer den Bau zu verhindern.


Trotz massiver Bedenken über die ökologischen Schäden in den umliegenden Gemeinden hat die Elektrizitätsgesellschaft CEL (Comisión Ejecutiva del Río Lempa) im Jänner dieses Jahres mit der Errichtung des Damms im Norden der Provinz San Miguel begonnen. Die Befürworter des Projektes berufen sich auf das Kyoto-Protokoll, da das Kraftwerk etwa 200.000 Familien mit elektrischem Strom versorgen könnte.  Sie verweisen aber auch neue Möglichkeiten für die Landwirtschaft, die Fischerei und den Tourismus in der Region.

 

Die Vorteile des Projektes sind allerdings heftig umstritten, weil nach Fertigstellung des Damms bestehende Dörfer geflutet werden.  Bauunternehmen und Regierungsbeamte versprechen die Entschädigung aller Betroffenen sowie Land für alle, die ihre Dörfer verlassen müssen. Laut José Antonio Confesor, Pfarrer der Gemeinde San Antonio del Mosco, ist die  Mehrheit der lokalen Bevölkerung trotzdem gegen den Bau. Einige beschuldigen CEL, dass sie beim Verkauf ihres Landes getäuscht und betrogen worden wären.

Das Projekt wird über eine 163 Mio.  Dollar Anleihe der Banco Centroamericano de Integración Económica (BCIE) finanziert. 56 Millionen Dollar kommen von der Regierung.


Ein Problem für Funes
Am  22. Juli beteiligten sich Bewohner von San Antonio del Mosco, San Luis de La Reina und Sesori an Protesten gegen das Kraftwerksprojekt El Chaparral und forderten von Präsident Funes einen Baustopp. 200 Menschen protestierten anläßlich eines Besuchs von Menschenrechtsombudsmann Óscar Luna in der Region. Luna hat sich als Mediator zwischen der lokalen Bevölkerung und der Regierung angeboten. Die lokale Bevölkerung hinterfragt Funes Wahlversprechen, sich für die Anliegen der Menschen einzusetzen. Funes hat bisher keinen Baustopp verfügt, das unter seinem Vorgänger Saca begonnene Projekt wird fortgesetzt. Die vom Kraftwerksbau Betroffenen verweisen vor allem auf die Wahlkampfunterstützung, die Funes vom Unternehmer Nicolás Salume, Präsident von CEL, erhalten hat. Inzwischen kam es vor dem Präsidentenpalast zu Protesten, Anfang Juli  wurde die Panamericana (Autobahn) von Kraftwerksgegner vorübergehend blockiert.


>> Video der Kraftwerksgegner

>> Video über dieProteste


Funes verwies auf eine Kommission unter Hato Hasbun, dem Minister für wichtige Angelegenheiten, die mit der Prüfung des Projektes betraut wurde. Forderungen nach einer Entlassung von CEL-Präsident Salume oder einem sofortigen  Baustopp in El Chaparral bzw. dem anderen Großprojekt in El Cimarron (am Rio Lempa) lehnte er in einer Pressekonferenz ab. Funes setzt auf Gespräche und Interessenausgleich: „Wir werden sie anhören, ihre Ansichten zur Kenntnis nehmen und wir werden einen Kompromiß finden, der gut für die Betroffenen und das ganze Land ist. Wir müssen berücksichtigen, dass El Salvador ein Energiedefizit von fast 6% hat. Woher soll diese Energie kommen? Wir brauchen den Strom für das Land, die Industrie, den Handel, die Gemeinden, Spitäler, sie alle brauchen Energie.“
Das El Chaparral-Projekt ist für Funes jedoch komplexer als die Suche nach einem Ausgleich zwischen Kraftwerksbefürwortern und Gegnern. Eine staatliche Prüfung der Vergabe von Bauaufträgen ergab Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Für Funes kann dies zum Problem werden, ist der Präsident der Elektrizitätsgesellschaft CEL doch der größte Sponsor seines Wahlkampfs, Nicolás Salume.

 

Ein Geschäft für Andritz?

Bei der Renovierung des Kraftwerks Cerron Grande am Rio Lempa – das ist das größten El Salvadors – kamen die Turbinen vom österreichischen Anbieter Andritz, der auch Interesse  an der technischen Ausstattung von El Cimarron hat.
Quellen: Tim’s El Salvador Blog; Voices on the Border

Aktualisiert: 25.8. 2009