Eskaliert die politisch motivierte Gewalt?

In den letzten beiden Jahren beklagten soziale Organisationen, Menschenrechtsbeobachter, Gruppen in den Gemeinden und die FMLN den alarmierenden Anstieg von offensichtlich poltisch motvierten Morden an ihren Mitgliedern und Verantwortlichen. 2008 war für die organisierten Sektoren der Bevölkerung von besonders gefährlich. Seit Jahresbeginn gab er mehr als ein halbes Dutzend Morde, die bisher nicht aufgeklärt wurden, aber offensichtlich einen politisch motivierten Hintergrund haben.

 

Am 2. Juli wurde Holman Riva, ein Angestellter derFMLN-Gemeindeverwaltung von Ilopango gemeinsam mit seinem Neffen ermordet. Die beiden Opfer wurden mitten in der Nacht aus ihrem Haus verschleppt und mit jeweils neun Schüssen ermordet.

 

Der Studentenaktivist Ángel Martínez Cerón wurde am 26. Juli auf ähnliche Weise in der Stadt Santa Ana im Westen El Salvadors ermordet. Martínez Cerón, Koordinator des Revolutionären sozialistischen Studentenblocks 24. Jänner, wurde acht Mal angeschossen, bevor die Mörder ihm schließlich eine Kugel in den Kopf jagten. Nach Angaben des Studentenblocks wurden auch andere Mitglieder dieser Gruppe von Mitgliedern der PNC (Nationale zivile Polizei) festgenommen und verfolgt. Wenige Tage vor seiner Ermordung wurde das Haus von  Martínez Cerón durchsucht, er, sein Bruder und ein anderer Student wurden verhaftet. Die Polizeischikanen waren die Folgen von Studentenprotesten gegen die Erhöhung der Buspreise in Santa Ana.

 

Schon zuvor waren einige politische Aktivisten ermordet worden. Am 2. Mai wurde Héctor Ventura, der zu Jahresbeginn von der Anklage des Terroismus freigesprochen worden war (er hatte sich an Protesten gegen die Privatisierung der Wasserversorgung beteiligt) in seinem Haus ermordet.

 

Im Jänner wurde der populäre Bürgermeister von Alegría, Wilber Funes gemeinsam mit einer Angestellten der Gemeindeverwaltung, Zulma Rivera ermordet. Wilber Funes wollte sich im Jänner 2009 um die Wiederwahl als Bürgermeister bewerben und hatte aufgrund seiner Popularität gute Chancen.

 

Für den FMLN-Abgeordneten Benito Lara ist es schwer angesichts dieser ungeklärten Mordfälle an die Theorie der gewöhnlichen Kriminalität zu glauben. Trotz nationaler und internationaler Proteste haben die Behörden bisher keine ernsthaften Anstrengungen zu einer Aufklärung der Morde unternommen. Die Mörder laufen weiterhin straffrei herum. Menschenrechtsbeobachter befürchten im Hinblick auf die Wahlen 2009 eine weitere Eskalation politisch motivierter Gewalt gegen die FMLN und deren Anhänger, da die Partei in allen Meinungsumfragen voranliegt.

 

Quelle: CISPES

 

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Aktualisiert: 23. 12. 2008